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Welt verbessern leicht gemacht, Folge 8


Der Vermögensberater, der Versicherungsberater, der Energieberater, der Fitnessberater, der Mobilitätsberater, der Telefontarifberater, der Gründungsberater, der Unternehmensberater, der Erziehungsberater. Die wollen am Telefon, per Mail, am Zeitschriftenladen oder an der Haustüre alle nur mein Bestes. Mittlerweile gibt es auch den Coach. Der berät nicht nur, der coacht auch. Das hat nichts mit der Couch vor dem Fernseher zu tun. Die ist eher ein Fall für den Einrichtungsberater. Wer´s kann, der tut´s. Wer´s nicht kann, berät andere.

Als Kind hatte ich andere Kinder um mich herum immer intuitiv in zwei Typen eingeteilt. Die einen hatten mit den Bauklötzen Türme gebaut. Das waren die Konstruktiven. Die das nicht hingekriegt haben, hatten vergnügt und lachend die Türme der anderen zum Einsturz gebracht. Das waren die Destruktiven. Vielleicht hätte mir der Bauklötzchenturmabsicherungsberater eine Hilfe sein können.

Ist man erst erwachsen, dann geht das munter so weiter. Auch hier gibt es Menschen, die konstruktiv sind und tun, was sie können. Und andere, die nicht können, und nichts tun, dafür aber mit großer Überzeugung wissen, wie es geht. Richtig interessant wird es, wenn die zwei Welten aufeinanderprallen. Jetzt trifft sich Theorie und Praxis.

Genau da zeigt sich die sogenannte DI, die Destruktive Inkompetenzlücke. Die heißt so, weil ich sie so genannt habe. Jemand hat einen genialen Plan und eine super Idee und beginnt es durchzuziehen. Da klappt nicht alles perfekt. Aber sofort stehen Experten da, die schon immer gewusst haben und auch jetzt wissen, wie es geht, und was alles falsch läuft. Die Inkompetenzlücke ist der Bereich, in dem der Berater, der Besserwisser und Kritiker erst gar nicht nachweisen muss, dass er es besser kann. Es reicht, dass er behauptet, es besser zu wissen.

Ein Beispiel? Versuchen Sie mal einer Hummel zu erklären, dass sie theoretisch zu viel wiegt und alleine mit ihren Flügeln gar nicht fliegen kann. Jede Wette, die Hummel zeigt Ihnen den Vogel und sagt „schwirr ab, vom Fliegen hast du keine Ahnung“. Na gut, das Beispiel hinkt leicht, aber Sie verstehen, was ich meine.

Nehmen wir den Klimawandel. Die Schüler*innen lernen es in der Schule oder im Home Schooling, der kluge Praktiker erkennt das Problem und beginnt es zu lösen. Er konstruiert sich die Solaranlage aufs Dach, kauft ein emissionsfreies Elektroauto, fährt öfter Rad, pflanzt Bäume und rechnet nach, wo er weiter CO2 einsparen kann, bevor die Erde noch mehr Fieber kriegt und die Pole völlig abschmelzen. Und nun kommt der Besserwisser auf die Bühne, manchmal als Berater getarnt. Und der sagt, Klimawandel gibt’s seit dem Mittelalter und ist sowieso nur eine Erfindung irgendwelcher Geheimorganisationen. Das muss er wegen der destruktiven Inkompetenzlücke gar nicht mehr beweisen. Ende der Diskussion. Bauklötzchen destruktiv abgeräumt. Wie im Sandkasten. Schade nur, dass so keine Probleme gelöst werden können.

Nur Besserwissen und Ratschläge und das unbedachte Teilen von Fake News – das reicht einfach nicht. Dadurch wird kein Mensch gerettet, kein Frieden geschaffen, keine Hungernden ernährt, keine Krankheit besiegt, keine Katastrophe aufgehalten. Dazu braucht es tatkräftige Menschen mit Mut, Ideen und Entscheidungskraft. So wie Sie vielleicht.
Sonst wird die Welt nie besser.


mit nachdenklichen Grüßen



Helmut Seuffert

 

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....Versuchen Sie mal,
einer Hummel zu beweisen,
dass sie theoretisch
zu viel wiegt
und alleine mit ihren Flügeln
gar nicht fliegen kann...