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Super Mario besiegt Alzheimer !

Das hätten Sie bestimmt nicht gedacht! „Super Mario 64“, ein simples Computerspiel, lässt die grauen Zellen im Gehirn wieder wachsen und kann damit vor Demenz schützen. Wenn Ihre Eltern oder Großeltern also im Alter ein wenig sonderbar und vergesslich werden, überhaupt nicht schlimm. Sie müssen ihnen nur noch die Konsole mit Super Mario in die Hand drücken und alles wird gut. Wunderbare heile Welt. Die brauchen dann nicht mal mehr die Tropfen, die der Arzt verschrieben hat. Fraglich ist nur noch, ob die Krankenkasse das Spiel und die Playstation zahlt.  „Der veralbert mich jetzt total“, werden Sie über mich denken. Nein. Das alles ist tatsächlich wissenschaftlich bewiesen. Großes Ehrenwort.

Das sind Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Universität Montreal. Die hatten Versuchsteilnehmer in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe spielte fünf Tage pro Woche täglich eine halbe Stunde „Super Mario 64“. Die zweite Gruppe sollte am Computer über das halbe Jahr regelmäßig Klavier üben. Die dritte Gruppe bekam gar keine Aufgaben, die durften also tun, was ihnen beliebt. Alle Teilnehmer hatten vorher in ihrem Leben noch nie Super Mario gespielt und vielleicht hätten sie besser dabei bleiben sollen. Das Ergebnis jedenfalls ist beeindruckend und eindeutig. Nur bei den Teilnehmern, die Super Mario spielten, legte die Graue Substanz im Hippocampus zu und das Kurzzeitgedächtnis verbesserte sich. Der Substanzabbau im Hippocampus gilt mit als Ursache für Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Aber Halt! Momentchen noch, bevor Sie die Bestellung für eine Nintendo Wii und das Spiel an A***zon abschicken.

Ich hätte da einen Rat für Sie, der Ihnen im Jahr 2018 locker mehrere Hundert Euro sparen kann. Befolgen Sie ihn, wir machen Halbe-Halbe, und wir haben alle was davon. Mein Rat ist: Wenn Ihnen jemand mit Statistik etwas beweisen will, glauben Sie ihm nicht!

Diese Super Mario Demenzheimer Studie – woher ist die eigentlich? Die Frankfurter Neue Presse hatte sie abgedruckt. Im Original ist sie aus dem Fachmagazin PLOS ONE aus den USA. PLOS ist - wenn man das glauben darf - eine Nonprofit Organisation. Das bin ich zu meinem Verdruss auch. (Erinnern Sie sich, wir wollten halbe-halbe machen). PLOS bietet sich an, im Internet Forschungsergebnisse zu publizieren. Auch Sie können dort Ihr Manuskript einreichen. Die bringen es gerne unter die Leute. Hauptsache, es sieht wissenschaftlich aus. Ahnen Sie schon was? Die gesamte Demenzmario Studie ist haarklein auf Englisch nachzulesen. Die Forscher hatten 48 Versuchsteilnehmer in drei Gruppen eingeteilt. 15 Teilnehmer waren in der Super Mario Gruppe, 14 in der Klavier-Gruppe und 15 Teilnehmer in der Langweiler Gruppe. Je zwei Teilnehmer aus der Klavier- und der Langweiler-Gruppe hatten im Verlaufe der 6-monatigen Testzeit keine Lust auf weitere Teilnahme. In der Super Mario Gruppe hatten dagegen – Achtung! – 8 der 15 Teilnehmer, mehr als die Hälfte, keine Lust mehr, Super Mario zu spielen. Und die Wissenschaftler damit ein ganz ernstes Problem.

Jetzt hätten Sie nämlich erst einmal erklären müssen, weswegen ältere Menschen, ob mit oder ohne Demenz, Super Mario zu doof, zu langweilig oder zu anspruchsvoll finden. Aber stattdessen haben die Wissenschaftler die Gruppe mit anderen Menschen aufgefüllt, damit sie am Ende noch genügend Versuchskaninchen übrig hatten, deren Hirn sie korrekt scannen konnten. Damit hätten sie erst mal mit sich selbst anfangen sollen. Bleiben Sie also skeptisch gegenüber solch Schwachsinn, auch wenn er mit wissenschaftlichem Anstrich daher kommt. Egal, wo immer er auch gedruckt wird.

So, aber jetzt habe ich genug geschrieben. Ich will wieder zurück zu meiner Playstation. Mein Ratschlag von vorhin… ah… habe ich irgendwie vergessen.

Mit nachdenklichen Grüßen
Helmut Seuffert

 

“Ich hätte da einen Rat für Sie,
der Ihnen im Jahr 2018
locker mehrere Hundert Euro
sparen kann....
.”