....In einem jahrzehntelangen
Planungsprozess sind die
Belange der Bürger, der Menschen und Kunden
nach und nach völlig
unter die Räder der
Betriebswirtschaft
gekommen...

 
 

Nur Vorteile? Deutsche Bahn macht Dampf

Zug um Zug realisiert die Deutsche Bahn nun den schon seit Jahrzehnten angekündigten Bahnausbau zwischen Frankfurt und Friedberg.
Schluss mit den Verspätungen, weil die S-Bahn sich die zwei Gleise mit Regionalverkehr, Fernverkehr und Güterverkehr teilen muss, sagt die DB. Nach jahrzehntelanger akribischer Planung werden voraussichtlilch 323 Millionen Euro ausgegeben und zwei neue Gleise gelegt. Danach wird die Bahn nicht nur bis zu fünf Minuten schneller an der Frankfurter Messe sein, sondern zudem pünktlicher. Obendrein wird sie wegen den verlegten Schienen flüsterleise sein. Soweit die Versprechungen.

Alles nur Vorteile? Wo ist da der Haken? Schauen wir mal auf die realitätsnahen Details.

Die Bus- und Bahnreisenden Harheimer*innen werden umdenken müssen. Die kundenfreundliche Bushaltestelle direkt neben dem Bahnsteig wird abgeschafft. Reisende, die zwischen Bus25 und S6 umsteigen, werden dann etwa 350 Meter Fußweg zurücklegen müssen, was den Vorteil der teuren Fünf-Minuten-Beschleunigung der S-Bahn bis auf ein paar wenige Sekunden auffrisst. Dass die S6 zukünftig fahrplanmäßig pünktlich am Berkersheimer Bahnhof ankommt, ist dagegen wichtiger denn je. Früher konnte der freundliche Busfahrer warten, bis alle Fahrgäste aus der verspäteten Bahn in seinen Bus eingestiegen sind. Er konnte sie sehen. Nach der Verlegung der Bushaltestelle sieht er sie nicht mehr. Dann fährt er eben los, wenn die Uhr die Abfahrtszeit anzeigt.

Aber nicht nur die Bus- und Bahnreisenden am Berkersheimer Bahnhof sind betroffen. Viel schlimmer trifft es Menschen, die von den versprochenen Vorteilen gar nicht erst profitieren können. Fußgänger etwa, die von H (Harheim) nach B (Berkersheim) wollen. Oder andersherum. Menschen mit Gehhilfen, Rollatoren oder Rehabilitationstrikes. Radverkehr über die Bahngleise wird erschwert oder auch gar nicht mehr möglich sein. Die schnelle Radverbindung von Harheim bis in die Innenstadt wird unterbrochen und so könnte für viele in der Idylle am Stadtrand im Grünen Wohnende das eigene Auto doch wieder als attraktive Alternative für die Fahrt in die City punkten. Wegen dem Verkehrsnadelöhr, das der Bahnausbau gerade eben erst neu geschaffen hat.

Der Deutschen Bahn alleine den schwarzen Peter für diese Misere in den Tender zu schieben wäre ungerecht. In einem jahrzehntelangen Planungsprozess sind die Belange der Bürger, der Menschen und Kunden nach und nach völlig unter die Räder der Betriebswirtschaft gekommen und – allen Öko- und Nachhaltigkeitsbekenntnissen zum Trotz – ziehen moderne, umweltbewusste Mobilitätssysteme im Wettbewerb gegen eingefahrene Denkstrukturen aus dem letzten Jahrhundert den Kürzeren. So wird der Klimawandel nicht aufzuhalten sein.

So wird mindestens in Harheim das millionenteure Bahnprojekt lange Zeit einen bitteren Nebengeschmack haben. Zu viele Chancen, ein synergetisches Miteinander von Bahn, Bus, Rad- und Fußverkehr zu schaffen, sind einfach ausgelassen worden.




Mit nachdenklichen Grüßen


Ihr Helmut Seuffert.

 


 

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