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Macht, Moral, Mauschelei - und die Sache mit den Peanuts..


Machen Sie sich doch mal ein paar schöne Stunden und gehen Sie ins Theater. Im Fritz-Rémond-Theater am Zoo läuft gerade das Stück „Macht, Moral und Mauschelei“ und ich garantiere ihnen, wenn Sie hinterher wieder heil rauskommen, wissen Sie nicht mehr, was eigentlich schlimmer ist: Fiktion oder Realität. Bei beidem sehen Sie, wie Macht mit Mauschelei sich zu erhalten versucht und dabei die Moral auf der Strecke bleibt.

Hilmar Kopper, der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG, hatte legendär von „Peanuts“ geredet und meinte die vom Großbauunternehmer Jürgen Schneider hinterlassenen unbezahlten Handwerkerrechnungen in Höhe von etwa 50 Millionen DM Wieviele Handwerksbetriebe damals ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen konnten und über die Klinge gehüpft sind, wir wissen es nicht, das hatte ja in der Deutschen Bank auch niemand interessiert. Jetzt versucht sich ein anderer kluger Kopf im Batagellisieren von Mauscheleien und springt seinem guten Freund zur Seite. Die Rede ist von Philipp Jacks, dem Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der es sich beim Neujahrsempfang des DGB nicht verkneifen konnte, mutig und mutwillig für seinen Freund OB Peter Feldmann die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Zur Erinnerung: Die Ehefrau von OB Feldmann hatte bei der AWO ein ungewöhnlich hohes Gehalt bekommen und obendrein einen Dienstwagen für ihre Elternzeit. Das bisschen Mauschelei „….ist doch die Aufregung gar nicht wert“, meint der DGB-Chef, und legt noch mal nach: „Von den heftigen, teils absurden Anschuldigungen ist nicht Ernsthaftes geblieben….“.

Absurde Anschuldigungen? Nichts Ernsthaftes? Ach wirklich? Beim DGB passiert das wohl häufiger, dass Verwandte und Bekannte eines hohen Politikers schon mal mit großzügig dotierten Verträgen ausgestattet werden und den Dienstwagen obendrauf. Darf man mal fragen, wodurch diese Besserstellung gerechtfertigt ist? Da fordert der DGB mehr soziale Gerechtigkeit in Europa, hat aber gar kein Problem, wenn in Frankfurt befreundete Oberbürgermeister ihre Ehefrauen gut dotiert unterbringen. Da ist plötzlich Gerechtigkeit … absurd, nichts Ernsthaftes. Wieviele Leiter*innen einer Kindertagesstätte haben nicht mal ein Dienstfahrrad genehmigt gekriegt. Aber gut, die waren ja auch nicht mit dem Oberbürgermeister verheiratet.   

Vielleicht wäre DGB-Chef Jacks gut beraten gewesen, noch ein wenig mit der finalen Einschätzung abzuwarten. Bis die Staatsanwälte im AWO Skandal mit den Ermittlungen fertig sind. Noch kommt bei der AWO jeden Tag ein anderes Skandälchen ans Tageslicht, das nicht rechtzeitig unter den Teppich gekehrt werden konnte. Der OB hat mittlerweile ja zugegeben, dass er die Frankfurter Bevölkerung so ein wenig belogen hat und hat versprochen, dass seine Frau das zu viel erhaltene Gehalt zurückerstattet. Und er findet es gut, wenn die AWO zukünftig transparenter wird. Oje. Bloss nicht. Vielleicht überlassen wir die Mauscheleien lieber dem Theater. Dann können wir wenigstens herzhaft mitlachen.


mit nachdenklichen Grüßen



Helmut Seuffert


 

 

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Das bisschen Mauschelei
„….ist doch die Aufregung
gar nicht wert“,
meint der DGB-Chef,
und legt noch mal nach:
„Von den heftigen,
teils absurden Anschuldigungen ist nicht
Ernsthaftes geblieben….”