..Statt meiner Kollegin
brüllt es aus dem
Lautsprecher:
“Kennen Sie schon diese Hose”...?

 
 

Mein Computer gehört mir !!!!.

Die Sonne lacht freundlich in mein home-office, der Tag wird gut gelaunt drücke ich auf die On-Taste meines Computers und ein paar kurze lange Momente später grinst mich das W-Logo an. Mein Kopf ist voller Ideen, die dringend im Wörd-Dokument festgehalten werden  müssen, aber bevor es soweit ist, muss ich mir erst einmal einen Weg bahnen durch die individuell für mich ausgewählten Marketinginformationen und die Pushmeldungen, die mir die Sicht auf mein Schreibprogramm versperren. Hartnäckig klammert sich das Sonderangebot für den Musix- Maker rechts unten an meinen Monitor und lässt sich erst durch heftiges Klicken auf das X bewegen, meine Arbeitsfläche freizumachen. Das Sonderangebot wird umgehend ersetzt durch die Meldung, dass in Hinterosthausen im Schwalm-Eder-Kreis eine Scheune lichterloh brennt. Mir brennt was anderes. Unter den Nägeln. Ich will diese Nachricht wegklicken, aber fünf Millisekunden vor dem Klick aufs X zuckt die Pushmeldung mit der brennenden Scheune ein bisschen nach links und deswegen klicke ich mitten in die Anzeige einer Online-Apotheke, die mir kleine blaue potenzsteigernde Pillen anbieten will. So schnell ich kann klicke ich auf das Schließen-Symbol, aber zu spät. Ohne zu wissen warum sind drei andere Fenster nun aufgepoppt und wollen von mir wissen, ob ich gerne Cookies mag. Die Antwort „Ja, ich hab Cookies zum Fressen gern“ bietet sich verführerisch groß in der Mitte meines Monitors an. Die Alternativantwort muss auch irgendwo versteckt sein auf dieser Seite, bloß wo. Ich lese das Kleingedruckte auf Englisch, Französisch, Chinesich und Suhaeli aufmerksam durch bis ich auf die individuellen Einstellungen stoße. Prima, da ist die richtige Antwort. Keine Cookies. Ich hasse Cookies.

Eine halbe Stunde später habe ich schließlich wieder die Herrschaft über meinen Computer zurückerobert. Alle Fensterchen, die meine Arbeitsfläche kapern wollten, sind erfolgreich zurückgeschlagen, mein Monitor traut sich nicht mehr zu zucken. Ich atme auf. Meine Ideen notieren, dafür ist jetzt keine Zeit mehr, in drei Minuten habe ich einen Termin zum Skaipen mit einer Kollegin. Ich starte Skaip, ich drücke auf den Button mit dem Verbindungsaufbau, aber da poppt eine Seite auf, ich solle erst einmal das Mickysoft-Passwort eingeben. Kein Problem, mit Passworten halte ich akribisch Ordnung. Aber warum steht da jetzt „Passwort unbekannt“? Jetzt ist nicht mehr viel Zeit, das zu klären. „Passwort vergessen“ anklicken und die Mail-Adresse eingeben, drei verlorene Minuten später habe ich ein neues Passwort eingeben und mehrfach bestätigt, dass ich ich bin und kein Robot und gehe zurück auf Start. Wieder Skaip angeklickt, und neues Passwort eingeben. Mickysoft ist aber nicht zufrieden. Passwort unbekannt. Jetzt ganz ruhig tief durchatmen und die Ruhe nicht verlieren. Der Monitor kann schließlich nichts dafür. Ich lege den Hammer weg, gehe zurück auf Los und drehe noch eine Runde Passwort verteilen. Das gleiche - falsche - Passwort mag Mickysoft gar nicht, nun gut, auch egal, dann gebe ich mir geduldig erneut ein neues Passwort. Diesmal darf ich rein, denn ich kann Skaip starten und da skaipt mich auch schon meine Kollegin an. Wunderbar, der Tag ist gerettet. Ich nehme das Gespräch an, das Bild ist da. Meine Kollegin lächelt mich freundlich an, der Tag wird schön. Sie sagt etwas, was ich aber leider nicht verstehe. Kein Wort. Die Lautsprecher bleiben stumm. Vielleicht hilft ein Neustart des Programm. Ich schließe das Programm und starte es erneut. Jetzt neues Problem. Keine einzige Funktion ist anklickbar. Nichts. Nebenbei schließe ich die gelegentlich aufblitzenden Push Nachrichten und individuell angepassten Marketinginformationen. Statt meiner Kollegin brüllt es plötzlich aus dem Lautsprecher „Kennen Sie schon diese Hose“, da muss ich versehentlich wieder auf eine versteckte Werbefläche gekommen sein…..

Drei Wochen später durfte ich wieder nach Hause. Meine Frau hatte die Polizei verständigt, als ich dabei war, den schweren Desktop-PC inclusive verschiedener an Kabeln herumbaumelnder Peripheriegeräte aus dem Fenster zu werfen. Glücklicherweise ist kein Fußgänger von herunterfallenden Teilen getroffen worden. Die brennende Scheune in Hinterosthausen ist bestimmt schon lange gelöscht, genauso wie das Skaip auf allen IT-Geräten im Umkreis von 30 Metern rings um meinen Schreibtisch. Die Hausratsversicherung hat den Schaden nicht übernommen. Weil sie für Schäden durch Nebenwirkungen beim Einsatz von Computerhard- oder Software nicht haftet. 


Mit nachdenklichen Grüßen


Ihr Helmut Seuffert.


 

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