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Malefiz noch mal, die Bahn!

Sie haben als Kind gerne Malefiz gespielt? Sie erinnern sich? Dieses Spiel, wo man seine Kegel ans Ziel bringen muss, die gegnerischen Mitspieler aber ständig neue Klötzchen in Ihren Weg stellen können? Jetzt haben Sie die einmalige Chance, wieder Malefiz zu spielen. Und zwar lebensecht. Live, umsonst und draußen. Sie, ich, wir alle sind die lebenden Figuren. Die Deutsche Bahn, die DB, ist der Mitspieler, der uns die Hindernisse in den Weg stellt. Das glauben Sie jetzt nicht? Sollten Sie aber.

Die DB bekommt 340 Millionen Steuergelder als Startkapital um an der S6 zwei neue Gleise zu bauen. Sie sehen, unser Malefiz-Spiel bekommt sogar noch Elemente von Monopoly. Leider ist ihr Startkapital Null. Irgendwer hat insgeheim die Spielregeln ausgetauscht und deswegen steht der DB das gesamte Startkapital zur Verfügung, das Sie ja schon über ihre Steuern einbezahlt haben. Die DB sagt, sie will den umweltfreundlichen öffentlichen Nahverkehr verbessern. Die S6 soll schneller und zuverlässiger werden. Das glauben Sie vielleicht, müssen Sie aber nicht. Hinterher fahren nämlich auf diesen neuen Schienen Güterzüge.

Das große Live-Malefiz-Monopoly hat schon begonnen. Ob Sie wollen oder nicht. Sie befinden sich schon mitten im Spiel. Das merken Sie daran, dass der Weg in die Innenstadt mehr und mehr zum Roulettespiel wird. Mal kommt die S6, mal später, mal gar nicht. Mal kann man mit dem Fahrrad über die Schienen an der Bahn in Berkersheim fahren, mal nicht. Mal Holzbrücke gehen, mal gesperrt. Aber das war bislang nur das Probelevel.

So richtig los geht’s dann im Januar. Da kommt die größte Überraschung, die im wirklichen Ur-Malefiz noch gar nicht vorgesehen war. Sagen wir mal: das Superhindernis. Die Brücke über die Nidda wird gesperrt. Für drei Monate. Dann kommen Sie nicht mehr nach Berkersheim, nicht mehr schnell zur S6, auch nicht mehr auf den Niddaradweg nach Bad Vilbel oder Eschersheim. Das können Sie nicht glauben? Ich auch nicht. Besser wär´s aber. Die Berkersheimer kommen nicht mehr zum Arzt, Sie nicht mehr mit der S-Bahn zur Arbeit, ihre Kinder nicht mehr zur Schule. Außer, Sie werfen ihre Umweltfreundlichkeit über Bord, schwören ihrer ökologischen Überzeugung ab und steigen der Einfachheit halber in ihr Auto. Nur keine Skrupel. Ihr Schummel-Diesel ist bestens geeignet alle Hindernisse zu umfahren. Denn in diesem Deutsche-Bahn-Live-Malefiz haben nur Mitspieler die große Arschkarte, die bisher emissionsschonend zu Fuß, zu Rad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs waren. 

„Aber Halt!“ ruft jemand aus den hinteren Reihen. Da sitzt ein kleines dürres Männchen mit strubbeligen weißen Haaren und das zeigt mit seinen knochigen Fingern auf einen Absatz in der ausgetauschten Spielanleitung und sagt jubelnd, hier, ich habs, der Superjoker sticht. Die Stadt Frankfurt! Die internationale Fahrradhauptstadt Südhessens, Heimat der Eintracht, des Äpplers, der Traffiq und des RMV, Erfinder des Radfahrentscheids, himmelhergottnochmal, die kann das doch gar nicht auf sich sitzen lassen. Die bauen Radschnellwege bis ins ferne Darmstadt, fördern den Umstieg auf E-Mobilität, um die Stickoxide wieder unter die Grenzwerte zu drücken. Die lassen doch bestimmt nicht zu, dass die Deutsche Bahn das mit den Frankfurtern an der nördlichen Stadtgrenze macht. Schön wär´s lieber Leser. Aber dieser Teil ist nun wirklich aus irgendeinem Märchen. Daran werden Sie doch selbst nicht glauben. 


Mit nachdenklichen Grüßen


Helmut Seuffert


 

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“... In diesem
Deutsche-Bahn-Live-Malefiz
haben nur Mitspieler die große Arschkarte, die bisher emissionsschonend zu Fuß, zu Rad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs waren.....”