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Luxuswohnungen für Studenten !
Luxus für alle !

Endlich werden in Frankfurt die dringend benötigten Wohnungen für Studenten gebaut! In Niederrad baut der Projektentwickler Project Immobilien 71 Mikro- und Doppelappartements. Die möblierten Einheiten mit 20 Quadratmetern sollen schon ab 147.000 € verkauft werden. Die größeren sind natürlich teurer. Also ein wahres Schnäppchen. Da muss ein armer Student lange Bafög kriegen dafür. Oder den Enkeltrick bei Oma versuchen. Zur Erinnerung: der Bafög Regelsatz liegt bei 735€ pro Monat.

Egal. Project Immobilien wird die teuren Microappartments so oder so an den Mann oder an die Frau bringen. Frankfurt läuft über mit gutverdienenden Studenten und anderen ausländischen Investoren, die den Markt leerkaufen. Ist letztlich auch völlig egal, wer die Microappartments kauft. Hauptsache, der Euro rollt. Aber mit der Studenten-Story zählt die Immobilienfirma jetzt plötzlich zu den Guten im Lande und nicht mehr zu den Raffgierigen. Schließlich schafft sie doch den dringend benötigten Wohnraum für Studenten. Dass die sich die Wohnungen gar nicht leisten können – daran ist der niedrige Bafög-Satz schuld.

Auch die anderen Unternehmen bauen gerne in Frankfurt und schreiben am liebsten „nur für die arme Polizistin und den Krankenpfleger“ aufs Bauschild. Klar ist, mit hochwertigen Wohnungen lässt sich mehr verdienen, als mit billigen. Und die Zahlen belegen: in Frankfurt werden viele neue Wohnungen gebaut, aber die Mieten steigen dennoch unaufhörlich. Schauen Sie doch mal, wie viele Luxuswohnungen in den letzten zwei, drei Jahren fertig wurden. Und? Sind die Mieten gesunken?

Trotzdem alle seit Jahren im Chor brüllen: „Bauen Bauen Bauen“. Die Situation am Wohnungsmarkt ist nicht besser geworden. Die Situation der Unternehmen der Bauwirtschaft aber dagegen schon. Es dreht sich eben alles nur ums Geld.  In San Francisco, so konnte man neulich der Zeitung entnehmen, ist kaum mehr eine Dreizimmerwohnung unter 5000 Dollar Miete im Monat zu kriegen. Selbst Besserverdienende können sich nicht mehr leisten, dort zu wohnen. In Frankfurt werden wir das auch in ein paar Jahren haben. 

Nun hat gerade einer der längsten und heißesten Sommer aller Zeiten über Frankfurt geparkt. In der Innenstadt schäumt das Thermometer fast über, die Glücklichen am Stadtrand, die noch zwischen Feldern und Wiesen im Grünen wohnen können, die haben es noch etwas kühler. Dass die Überhitzung in den Innenstädten mit der Versiegelung und mit  dem Klimawandel zunimmt, das ist bekannt.

Trotzdem wird weiter versiegelt, verdichtet und gebaut was das Zeug hält. Jeder Grashalm läuft Gefahr, zubetoniert zu werden, noch bevor er ordentlich verdorrt ist. Projektentwicklern ist das egal. Die ziehen irgendwann weiter und hinterlassen verbranntes Land. Das Zubauen der Grünflächen, das könnte man noch stoppen. Die Erwärmung der Innenstädte und den Klimawandel aber nicht mehr. Das Problem können wir noch ein paar Jahre ignorieren wie den schwarzen Peter zur nächsten Generation weiter schieben. Vermutlich die, der gut verdienenden Studenten. Wäre es also nicht allerhöchste Zeit eine vorausschauende, nachhaltige und zukunftsorientierte Politik zu machen, anstatt immer nur auf die nächsten Wahlen zu schielen?


Mit nachdenklichen Grüßen


Helmut Seuffert


 

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“... Die möblierten Einheiten
mit 20 Quadratmetern sollen
schon ab 147.000 € verkauft
werden. Also ein wahres Schnäppchen.....”