....werden Tag für Tag
fette 100.000 Euro verschenkt. Einfacher reich werden geht nicht mal mit Banküberfall.

 

Geldregen: 100.000 € stehen für Sie bereit. Oder eben auch nicht.

Das Geld liegt förmlich auf der Straße, man muss es nur sehen und aufheben. Zum Beispiel in ihrer Frankfurter Tageszeitung. Da wird Ihnen ein Geldregen versprochen sofern Sie a) in der Lage sind, die knifflige Gewinnfrage richtig zu beantworten b) sich entschieden können, ob Sie viel oder wenig Geld gewinnen wollen und c) telefonieren können. Um das Gewinnspiel nicht unnötig komplex zu machen, ist die Gewinnfrage auch für schlichte Gemüter mit schlanker Schulbildung bewältigbar. Wie lange war Helmut Kohl Bundeskanzler - 12 oder 16 Jahre? Oder: Wer kämpfte gegen Goliath – Adam oder David?  Fast schwieriger ist die Auswahl des Geldpakets, für das Sie sich bewerben. Denn Sie müssen sich schon festlegen, ob sie an der Verlosung von 3 mal 10.000 Euro, 5 mal 5.000 Euro, 10 mal 1000 Euro, 25 mal 500 Euro, 50 mal 250 Euro oder – für bescheidene Glücksspieler – 100 mal 100 Euro teilnehmen wollen. Sie legen das dadurch fest, dass sie eine der vielen 01378er Telefonnummern anrufen. Allerdings, so erfahren Sie im Kleingedruckten, führen die jeweiligen Nummern nur zu unterschiedlichen Zeitfenstern zum Gewinn. Über die Länge der Zeitfenster schweigt sich das Gewinnspiel dezent aus.

Ohne Zweifel – Sie merken schnell, dass die Tageszeitung Ihres Herzens einfach eine Menge Geld zu verschenken hat. Zwischen dem 1. März und dem 25. April werden Tag für Tag fette 100.000 Euro verschenkt. Einfacher reich werden geht nicht mal mit Banküberfall. Dazu müssten Sie erst mal eine noch nicht geschlossene Sparkassenfiliale finden die ausreichend Bargeld bunkert. Schwierig. Superschlauen Zeitungslesern fällt zudem auf, dass mehrfaches Anrufen die Chance im Geldregen-Gewinnspiel erhöht.

Wo ist nun der Haken in der Sache? Ganz einfach. Jeder Anruf bei einer der angegebenen Telefonnummern treibt ihre Telefonrechnung um 0,50 Euro nach oben. Hundertmal anrufen, und Sie sind um 50 Euro ärmer. Dieses Geld bekommt der Veranstalter, eine weithin unbekannte GmbH. Vielleicht gehen wir doch besser davon aus, dass auch die kein Geld zu verschenken hat, sondern eher welches verdienen will. Dazu wäre es erforderlich, wenn jeden Tag mindestens 200.000 Anrufe eingehen. Oh, das ist fürs Rhein-Main-Gebiet schon eine gewisse Hürde. Aber niemand hat gesagt, dass das Gewinnspiel nur auf die Region Ihrer Tageszeitung beschränkt ist. Und dann fällt noch im Kleingedruckten der Hinweis ins Auge: „Das Gewinnspiel „Geldregen“ kann jederzeit ohne Angabe von Gründen eingestellt werden“.

Praktisch gesehen handelt der Veranstalter keineswegs illegal wenn er das Gewinnspiel vor der Auszahlung der Gewinne für beendet erklärt. Dann gibt es mit Sicherheit mindestens einen Gewinner. Der Veranstalter. Alle anderen stehen dafür im Regen.

Und was lernen wir nun? Ganz einfach: Wenn jemand Geldregen oder andere Wohltaten verspricht, selbst wenn es der Papst, die Deutsche Bahn oder eine hochseriöse Zeitung ist, dann besser vorher das Kleingedruckte lesen. Und zwar haargenau.


mit nachdenklichen Grüßen


Helmut Seuffert


 


 

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