....Da bleibt nur noch
ein Problem:
was machen wir
mit Menschen,
die damit nicht klarkommen...

 
 

Dorfspartag

Der dritthöchste Feiertag gleich nach Weihnachten und Geburtstag war für mich als Kind: der Weltspartag. Das kleine Spardöschen mit dem Taschengeld wurde geplündert und in vier gleich große Häufchen gestapelt. Eines für jedes Sparbuch, das mich als Besitzer verzeichnete. Und an Mutters Hand gings dann feierlich zur Bankfiliale, wo ich stolz wie Oskar meine 9 Mark 72 einzahlte, oder 13 Mark 20. Je nachdem, ob es ein gutes Jahr war, oder ein Schlechtes. Im Gegenzug wurde ich vom freundlichen „Bankbeamten“ dafür zugeschüttet mit Malbüchern, Plastiksparschweinen, Buntstiften und mit all dem anderen billigen Krimskrams, der trotz oder wegen dem aufgedruckten Sparkassenlogo meinen gefühlten immensen Reichtum gut anfühlen ließ. Ganz nebenbei hatte ich die wichtige Lektion gelernt: Wer spart hat eindeutig mehr vom Leben und wird irgendwann vielleicht sogar so reich sein wie Dagobert Duck und im Geldspeicher baden gehen. Alleine schon durch die Zinsen, mit denen die Sparkasse oder Bank die schwäbische Sparmanie belohnte. Nie hätte ich mir damals vorstellen können, dass diese Idylle irgendwann stirbt.

Heute gibt’s zwar noch den Weltspartag, aber kaum noch eine Sparkassenfiliale in erreichbarer Nähe. Und auch mit dem Bargeld steht´s übel auf der Kippe. Wo zahlt der oder die Achtjährige Omas oder Opas Taschengeldsubventionen und Geldzuwendungen ein, wenn auf etwas Größeres, wie das eigene Pferd oder das neueste iPhone gespart wird? Aber wozu auch sparen. Sparen ist nicht mehr cool. Sparen ist jetzt einfach doof. Sobald das Kind alt genug ist, kriegt es ein Plastikkärtchen statt Plastiksparschwein und kann dann - nur noch limitiert durch das elterliche Kreditlimit - lernen, ordentlich Schulden zu machen und das Konto zu überziehen. So kann die Bank oder Sparkasse wenigstens ein bisschen Gebührenumsatz machen. Kunden, die sich so wie früher gerne persönlich über einen Bausparvertrag oder eine Rentenversicherung beraten lassen wollen, sind jetzt plötzlich ein Kostenfaktur und bei der Bank völlig falsch. Das geht im Internet mit den Kredit-Robotern besser. Einfach nur die Datenformulare ausfüllen, und das Unheil nimmt seinen Lauf. Und wenn die Versuche glücken und Bargeld bald tatsächlich abgeschafft wird, wozu braucht man dann eigentlich noch die Sparkasse oder die Bank? Das bisschen Zahlungsverkehr abwickeln geht mit Paypal auch. Und billiger.

Wozu also Appelle und Unterschriftensammlungen, die fordern, dass die Volksbank oder Sparkasse wieder eine Filiale in jedem Stadtteil oder wenigstens einen Finanzpunkt oder Geldautomaten aufbaut. Sehn wir besser der Wahrheit direkt ins Auge: Das Geschäftsmodell Sparkasse ist am Ende. Mit Spareinlagen, Krediten, den Provisionen aus Bausparverträgen und Lebensversicherungen und ein paar gewagten Containerbeteiligungen als Vermögensanlage kann bei niedrigen Marktzinsen keine Bank mehr leben. Die Geschäftsstellen und Geldautomaten werden eingespart.

Wer heute noch eine Sparkasse wie in alten Zeiten erleben will, sollte mal in den Hessenpark fahren. Für knallharte Bankgeschäfte braucht es heute keinen Weltspartag und keinen Finanzpunkt, sondern einen Computer, einen Drucker und dazu ein Smartphone für die Security-App. Und natürlich das technische Verständnis mit diesen Dingen umzugehen. Da bleibt nur noch ein Problem: Was machen wir mit Menschen, die damit nicht klarkommen?  





Mit nachdenklichen Grüßen


Ihr Helmut Seuffert.

 

 

 


 

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