....Der Rechtsstaat ist
darauf angewiesen,
dass sich die Menschen
auch da anständig verhalten,
wo keine Strafe droht. 

 

Der peinliche Oberbürgermeister.

Was hätten wohl die Gebrüder Grimm aus dem Fall „Peter Feldmann“ gemacht? In der Märchensammlung zwischen Räuberbräutigam, Meisterdieb, Lumpengesindel oder Aschenputtel würde das Märchen „Der wunderliche Feldmann“, „AWO, Kohle und Bohne“, „Vom Feldmann seiner Frau“ oder „Der goldene Pokal“ vermutlich kaum skandalös auffallen und könnte dazu beitragen, Kindern früh und auf verständliche Weise den feinen Graubereich zwischen Gut und Böse nahezubringen. Offenbar aber haben weder Grimms Märchen noch die AWO-Grundwerte von Solidarität, Gleichheit und Gerechtigkeit in Peter Feldmanns Werdegang einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Allerdings kreuzt die AWO Frankfurt auffallend häufig Oberbürgermeister Feldmanns Vita, auch in Gestalt seiner späteren Ehegattin, von der er erst, als der Skandal lichterloh lodert, erfährt, dass sie bei dem Wohlfahrtsverein als Leiterin einer Kindertagesstätte einen äußerst lukrativen Job inclusive Firmenwagen hat, während übrigens andere Leiter:innen von KTs nicht einmal ein Dienstfahrrad bewilligt kriegen. Es ist eben wie im Märchen. Für manche.

Ob sich Frankfurts Noch-OB widerrechtlich oder strafbar verhalten hat? Das wird das Landgericht Frankfurt im Prozess wegen des Verdachts der Vorteilsannahme ab dem 18. Oktober klären. Aber Recht und Gesetz spielen in Märchen auch gar keine Rolle. Aber gut und böse, falsch und richtig, integer oder korrumpierbar, das ist der Stoff, aus dem die Märchen sind. Sylvia Schenk, selbst ehemalige SPD-Dezernentin in Frankfurt schreibt dazu: „
Der Rechtsstaat ist darauf angewiesen, dass sich die Menschen auch da anständig verhalten, wo keine gesetzliche Strafe droht. Integres Verhalten beginnt nicht erst dann, wenn ich mich gerade eben nicht strafbar mache, mich so durchschlängle. ….. In dem Moment, wo seine Frau oder Lebensgefährtin einen Arbeitsvertrag mit einem großen Zuwendungsempfänger der Stadt macht, muss er sicherstellen, dass alles 150-prozentig mit rechten Dingen zugeht. … Wenn er selbst sagt, er habe sich den Vertrag nicht angeschaut, dann ist er seiner Verpflichtung, eine Bevorzugung seiner Frau auszuschließen, nicht nachgekommen.“

Alle Menschen machen Fehler. Manchmal auch die Guten. Viele davon haben die Größe und die Aufrichtigkeit, dazu zu stehen. Leider nicht alle. Oberbürgermeister Peter Feldmann hat wohl den Absprung aus seinem Märchen nicht rechtzeitig geschafft. Und wer immer auch gerne vermeiden möchte, dass er erneut der Versuchung erliegt, als Oberhaupt der Stadt Frankfurt sich unverdient und youtube-peinlich irgendwelcher Pokale zu bemächtigen, der es toll findet, erwachsenen Stewardessen mit dummen Altherrenzoten die Zornesröte ins Gesicht zu zaubern, der sollte am 6. November beim Bürgerentscheid für die Abwahl des Oberbürgermeisters abstimmen und damit der Geschichte, die als Märchen begann und sich zum Albtraum wandelt, ein würdiges Ende zu setzen.      
 

mit nachdenklichen Grüßen


Helmut Seuffert

 


 

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