..Sie sehen also:
rein ökonomisch lohnt
sich das Zweit-E-Auto
gerade dann,
wenn Sie es
gar nicht kaufen...

 
 

Ökologische Ökonomie: Und ein E-Auto lohnt sich doch!

 

Sie haben Ihr E-Auto auch schon bestellt? Oder warten Sie noch? Sie sind sich noch nicht sicher, ob es sich auch lohnt? Rechnen wir doch einfach mal nach. Hier ist das brandneue Angebot für den neuen Platzda MX-30 Hyperactive. „Die erste Wahl beim Zweitwagen“ wirbt der Hersteller und positioniert das schicke Fahrzeug gleich mal auf eine Höhe mit Damenhandtäschchen der Marke Cucci. Das Angebot lautet so: 6.800 € Leasing-Sonderzahlung, 24 monatliche Leasingraten zu je 159,00 €, Laufzeit 24 Monate bei einer Laufleistung von 5.000 km pro Jahr. Damit liegen wir mit dem Damenhandtäschchen vielleicht gar nicht so daneben. Es ist der ideale Zweitwagen, mit dem morgens die Kinder in Kindergarten und Schule gefahren werden, zum Yogakurs, den Sohn zum Fußball und die Tochter zum Reiten oder Ballettunterricht. Viel mehr ist bei dem Budget von 416 km pro Monat eigentlich kilometermäßig nicht drin. Verteilen wir den Gesamtbetrag von 10.616€ auf die 10.000 gefahrenen Kilometer in den zwei Jahren, kostet jeder Kilometer also € 1,06 Leasingkosten und da kommen die Kosten für Versicherung und den Strom zum Laden dazu. Apropos Strom. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wo Sie ihren schicken Stromer tanken? Aber wer sich so ein Fahrzeug als Zweitwagen leisten kann, hat bestimmt auch das nötige Kleingeld für eine Wallbox an der Eigenheimgarage.

Was aber, wenn Sie die nötige Kohle für den Stromer nicht haben? Hier ein paar Vorschläge: Eine Jahreskarte für den RMV für Frankfurt kostet etwa € 900, für zwei Jahre also das Doppelte. Zur Abrundung können Sie sich noch ein E-Lastenrad kaufen. Damit sind sie noch lange nicht beim Preis für den schicken Platzda Zweitwagen, für den sie ja möglicherweise nicht einmal einen kostenlosen Parkplatz in der Nähe ihrer Wohnung haben. Für das gesparte Geld können Sie noch ein paar Solarmodule auf ihr Dach packen und den selbst angebauten Strom ernten.

Sie sehen also: rein ökonomisch lohnt sich das Zweit-E-Auto gerade dann, wenn sie es gar nicht kaufen! Und ökologischer ist es zudem, denn es braucht nicht einmal Strom, sondern erzeugt noch welchen!

Allerdings, das gilt vielleicht für ganz Frankfurt. Aber nicht für Harheim. Denn ab Jahresende werden Sie mit Ihrer RMV-Jahreskarte erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Der 25er Bus fährt nämlich dann nicht mehr direkt vor den Bahnsteig zur S6. Sie werden ungefähr 150 Meter vorher schon den Bus verlassen und zu Fuß bei Wind und Wetter über Wege, Treppen und Aufzüge zum Bahnsteig wandern. Und ihr neues Lastenrad nützt ihnen dort oben bei Ihrer Fahrt in die Stadtmitte auch nichts mehr. Denn sie werden nicht mehr über die Gleise kommen. Der Bahnübergang ist weg.

Genau deswegen können Sie ihr individuelles Sparpotenzial dank der Deutschen Bahn nun voll ausschöpfen: Kaufen Sie keinen E-Zweitwagen, keine Wallbox, aber auch keine RMV-Jahreskarte und kein Lastenrad. Wenn Sie trotzdem ein ökologisch reines Gewissen haben wollen, packen Sie noch mehr Solarmodule auf Ihr Dach und kaufen Sie sich von der Stromernte etwas Wald zum entspannen oder CO2 Zertifikate zum Ausgleich für ihren Verbrenner-Erstwagen.

Jetzt haben Sie nur noch ein Problem: Wie kommt ihr Sohn zum Fußball und die Tochter zum Ballettunterricht? Darüber denken wir in der nächsten Folge von „Ökologische Ökonomie“ nach: „Das Rikscha-StartUp“ 


Mit nachdenklichen Grüßen


Ihr Helmut Seuffert.


 

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