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Wissen ist Macht


„Wissen ist Macht. Nichts wissen macht auch nichts“. Diese früher von durchgefallenen Studenten gerne zitierte Weisheit soll ursprünglich auf einem Bierdeckel entdeckt worden sein. Nichtwissen ist eigentlich nicht schlimm. Wir alle wissen wesentlich mehr Dinge nicht, als wir wissen. Tragisch wird das nur, wenn Fachleute nicht bereit sind, vor wichtigen Entscheidungen sich notwendiges Wissen anzueignen.

Die Zahl der Coronainfizierten geht wieder nach oben und das RKI hat auch sofort Erklärungen zur Hand: „mitverantwortlich ist die angelaufene Rückreisewelle … bis zu 18 Prozent aller Neuinfektionen gehen auf Urlaubsrückkehrer zurück..“ und der Rest übernimmt nach RKI-Chef Wieler die „..Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln“.

Der aufmerksame Leser dieser Nachricht fragt sich, woher das RKI denn alles so genau weiß. Seit wann müssen denn Coronainfizierte dem Gesundheitsamt angeben, ob, wo, wann und mit wem sie im Urlaub waren? Wo sind die Ergebnisse der repräsentativen Studie, die misst, wie exakt die Menschen auf Abstand achten und Mundschutz anlegen, und vor allem: wieviele weniger sind es denn jetzt im Vergleich zu vier oder acht Wochen vorher? Jetzt mal Butter bei die Fische, Herr Wieler, wo sind die Zahlen und woher ist das geäußerte Wissen? Oder sind das alles nur „plausible Vermutungen“? Akademiker und Wissenschaftler lernen im Studium frühzeitig, ihre Aussagen mit Fakten zu begründen. Warum hier nicht?

Der deutsche Minister für Gesundheit, Jens Spahn, bläst ins gleiche Horn und kündigt an, dass Rückreisende aus Risikogebieten ab sofort zu einem freiwilligen Test verpflichtet werden sollen. Daher wissen wir jetzt schon mal, dass Rückkehrer im Augenblick wohl noch gar nicht flächendeckend getestet werden aber erstaunlicherweise ist das Ergebnis dem RKI wohl schon bekannt. Wozu also noch testen? Mal ganz abgesehen davon, dass nicht so ganz einsichtig ist, weshalb Urlauber aus Luxemburg getestet werden sollen, die Österreich, Spanien und aus dem Landkreis Dingolfing in Bayern aber nicht.

Wäre doch viel besser, alle Urlauber machen vor dem Start in und bei der Rückkehr aus dem Urlaub einen Test. Dann könnten wir europaweit Corona bekämpfen und hätten zuverlässige Informationen. Aber das kostet natürlich wieder Geld.

Und dann könnte man nicht mehr so pauschal die Menschen verantwortlich für den Coronaausbruch machen, die heute genau das tun, was gar niemand verboten hat: Urlaub in den Nichtrisikoländern in der EU.

Deswegen bitte - so schnell es geht: zurück zu einer vernünftigen Politik, die auf Fakten und Informationen beruht. Und nicht auf Vermutungen.




mit nachdenklichen Grüßen



Helmut Seuffert


 

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und woher ist das geäußerte Wissen? Oder sind das alles nur „plausible Vermutungen?
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