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Reden wir über .... Fleisch

Ist die Welt irre geworden? Die Briten wollen BREXIT und finden den Notausgang nicht, die Hongkonger kämpfen mit Regenschirmen gegen Wasserwerfer, die Amerikaner fliehen aus Syrien, dafür wollen die Türken rein, die Spanier haben endlich Frieden im Baskenland und zündeln am Bürgerkrieg in Katalonien. Wo sind die seligen Zeiten geblieben, wo wir uns am Stammtisch über Rente, über Veggie-Day oder über Atomkraftwerke aufgeregt haben. Da sitze ich nun, will ein leicht verdauliches Kommentar schreiben und frage mich, in welche Tragikomödie wir hineingeraten sind. Besser also, ich nehme ein ganz harmloses Thema. Reden wir über Fleisch.

Eine neue Technologie steht kurz vor dem Durchbruch und macht mit den Problemen der grünen Ökos und Vegetarier kurzen Prozess und beschert den Menschen vielleicht seligen Weltfrieden und einen satten Bauch. In Zukunft kann Fleisch im Labor hergestellt werden. In vitrio.

Stellen Sie sich nur vor, für ihr Schnitzel oder Putensteak auf ihrem Teller muss kein Rind, Schwein oder Huhn in enge Ställe gepfercht, ohne Betäubung  schmerzhaft kastriert, gemästet, mit Antibiotika vollgepumpt und 800 km oder mehr im stickigen Lastwagen bei 38°C im Schatten zum liebevollen und freundlichen Schlachter gefahren werden. Die Viecher braucht man fast gar nicht mehr. Ein paar Exemplare werden wir sicher im Zoo noch zur Ansicht lagern und unseren Kindern oder Enkeln von den Zeiten erzählen, als solche Tiere noch auf der Weide oder in einem unangenehm riechenden Stall standen und am Ende sogar gegessen wurden.

Wenn es Retortenbabys gibt, warum sollte es kein Retortenlammfleisch geben? Wenn die Bio-Ingenieure noch ein wenig weiterbasteln, dann schaffen sie es sicher auch noch, Honig auf künstlichem Wege im Labor zu produzieren. Für die Bestäubung der Obstbäume kann man anstelle Bienen kleine intelligente Microdrohnen entwickeln, die mit künstlicher Intelligenz die Blüten anfliegen und Bäume befruchten. Brehms Tierleben kommt zum Altpapier. Hamster und Feldlerche sterben aus? Na und, Dinos sind auch ausgestorben und keiner vermisst sie. Wozu brauchen wir Insekten? Dann bleibt schon die Windschutzscheibe schön sauber und die blöden Wespen nerven nicht mehr. 

Nicht nur die Nahrungsmittelproduktion wird sich revolutionär verändern. Man wird keine riesigen Flächen für Weideland und Futtermittelanbau mehr brauchen. Man könnte die ganzen Wiesen, auf denen heute noch friedlich lila Kühe grasen, einfach zubauen und den Wohnungsmangel beheben. Der Wasserverbrauch für Viehzucht und Landwirtschaft und die Nitratbelastung in Boden und Grundwasser wird drastisch gesenkt. Gülle muss nicht mehr zum Düngen entsorgt werden. Milliarden Kühe pupsen kein Methan mehr in die Luft. Ein Segen für das Klima. Die verwaisten Kuhställe werden zu Studentenwohnheimen oder Ferienwohnungen umgebaut. Neue Geschäftsmodelle für die Landwirte.

Zwei klitzekleine Problemchen gibt’s im Jahr 2019 noch. So ein künstlicher Burger kostet im Augenblick noch rund eine Viertelmillion Euro. Da werden Sie also mit dem Sicherheitsdienst zu McBurger fahren müssen, wenn Sie ihre Kinder zum Abendessen einladen. Sobald aber die Produktion richtig anläuft, wird in-vitrio-Fleisch deutlich preisgünstiger als heute. Versprechen jedenfalls die Experten. Also bleibt nur das andere Problem für das künstliche Fleisch: es schmeckt nicht.




Guten Appetit und mit nachdenklichen Grüßen


Helmut Seuffert

 

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...Wenn es Retortenbabys gibt,
warum sollte es
kein Retortenlammfleisch geben?”